Die Soziologie ist in der Coronakrise gefragter denn je. Jedoch hat dies einen hohen Preis: Ihre radikale Kritik an technokratischen Silicon-Valley-Eliten und deren Allmachtsfantasien musste sie für ihre neue Popularität opfern. Unzählige Fachbücher, öffentliche Veranstaltungen und Seminare an Universitäten, die im Namen der Aufklärung und des kritischen Denkens abgehalten wurden, zählen von nun an nicht mehr. Transhumanistische Technologiekonzerne, die nur darauf warten, ihre antidemokratische, von menschlichen Moralvorstellungen losgelöste Agenda mit allen nur möglichen Mitteln durchzusetzen, haben hingegen an Einfluss gewonnen. Die fundamental kritische Haltung der Soziologen, aber auch der Philosophen hierzu ist seit dem Beginn der Coronakrise aus der Öffentlichkeit verschwunden. Zugleich tragen nicht wenige Soziologen den Kurs der Bundesregierung scheinbar gedankenlos mit. Ihre vorgebliche Neutralität, die zuweilen in totaler Kritiklosigkeit mündet, ebenso wie der Umstand, dass auch Soziologen an der Diffamierung großer Bevölkerungsteile als „Verschwörungsideologen“ teilnehmen, erwecken große Zweifel an der Seriosität der Disziplin.

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