Émile Zola? Jean-Paul Sarte? Heinrich Böll? Heute sind wir bescheiden geworden. Wir haben Richard David Precht und Wolfgang Niedecken. Schon Günter Grass hatte sich 2004 an einer Anzeigenkampagne beteiligt, die Hartz IV als „überlebensnotwendig für den Standort Deutschland“ pries. Heute proben viele Geistesgrößen den Kniefall vor dem Götzen Corona. Ihr verbleibendes kritisches Potenzial ergießt sich in erbitternden Widerstand gegen die Widerständigen, vor allem die Anti-Maßnahmen-Demonstrationsbewegung. Aus dem beherzten Eintreten für Freiheit und Menschenrechte wurde ein kleinlautes Einschwenken auf das „Lebensschutz“-Narrativ des Corona-Establisments. Aus aufrechtem Antifaschismus wurde dessen Verfallsform: die Antifa-Mentalität — die Idee also, man habe die Lehre aus den Verbrechen der Hitler-Diktatur gezogen, wenn man möglichst viele Unschuldige als Nazis beschimpft. Es fehlt nicht an kritischem Geist in diesem Land, nur müssen wir unseren Blick dabei abwenden von den allseits bekannten „großen Namen“. Der Intellektuelle alten Typs ist gerade dabei, abzudanken.
