Der Satz im Titel stammt vom Expertenbeirat des Bundesgesundheitsministeriums. Er bestätigt das, was Kritiker des Krisenmanagements seit langem sagen und wofür sie sich als „Verschwörungsspinner“ beschimpfen lassen müssen. Zu ihnen gehört der Internist Matthias Schrappe, der seit Beginn der Krise gegen allzu scharfe und unverhältnismäßige Corona-Maßnahmen aufbegehrt. Seine neueste Analyse wirft allerhand unbequeme Fragen auf: Warum ist Deutschland führend bei der Zahl der Covid-19-Intentivpatienten? Wo sind Tausende Notfallbetten geblieben und was wurde aus den ganzen Fördermillionen? Für seine Thesen bezieht er Prügel, gerade weil er es damit in den Medienmainstream geschafft hat. Das allerdings ist neu und ein Zeichen, dass sich die Diskussion um Sinn und Unsinn der Lockdownpolitik nicht mehr aufhalten lässt. Von Ralf Wurzbacher.
Bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), beim Marburger Bund Bundesverband und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) müssen am Wochenende die Drähte heiß gelaufen sein. Am Sonntag hatte eine Expertengruppe um den Gesundheitsökonomen Matthias Schrappe eine „Adhoc-Stellungnahme“ zur intensivmedizinischen Versorgung publiziert, die reichlich Brisanz birgt. Auf 32 Seiten türmt sich ein ganzer Berg an Belastendem auf: So seien die Zahlen zu den Notfallkapazitäten in deutschen Kliniken manipuliert, es zeigten sich Anhaltspunkte für Subventionsbetrug und der Umgang mit Covid-19-Patienten liefere Hinweise einer im internationalen Vergleich einzigartigen „Überversorgung“. Im Interview mit „Welt“-Online (hinter Bezahlschranke) legte Schrappe nach: „Es geschehen bei den Intensivstationen seltsame, unverständliche Dinge.“ Begleitend lancierte das Springer-Blatt einen Beitrag, der das Bild von den unter einer Covid-19-Überlast „voll gelaufenen“ Intensivstationen ins Wanken bringt. Betitelt hat die Redakteuerin Elke Bodderas ihren ebenfalls nicht kostenfrei erhältlichen Artikel mit: „Immer schön bei der Wahrheit bleiben!“
