Leben wir noch in einer Demokratie oder eher in einer Oligarchie, in der nicht Volksvertreter, sondern eine relativ kleine Zahl von transnationalen Konzernen die Entscheidungen trifft? Diese Frage drängt sich gerade in der gegenwärtigen Corona-Krise auf, die vor allem die bekannten Tech-Unternehmen wie Amazon und Facebook genutzt haben, um ihre Gewinne zu vervielfachen. Es ist sogar von einem «Neofeudalismus» die Rede, in der jene Big Player über gewisse Privilegien verfügen und in Aristokratenmanier nur mit dem Finger zu schnippen brauchen, damit ihre Interessen gegen die Ansprüche der Gesellschaft durchgesetzt werden. Thilo Bode geht sogar darüber hinaus und spricht von einer «Diktatur der Konzerne». Um seine These zu untermauern, hat der Publizist ein gleichnamiges Buch vorgelegt, in dem er aufzeigt, welche Macht international agierende Unternehmen in den letzten Jahren erlangt haben und wie dreist sie mittlerweile vorgehen. Eine Rezension von Eugen Zentner.
Eine Abrechnung mit großen Konzernen legte Bode bereits vor sechs Jahren vor. In «Die Freihandelslüge» widmete er sich damals dem Handelsabkommen TTIP und zeigte auf, dass es vordergründig dem Zweck diente, die politische Souveränität europäischer Länder auszuhebeln. Profitieren sollten davon allein die großen Konzerne. In seinem jüngsten Werk dringt er tiefer in die Materie ein und beschreibt weitere Methoden, mit denen diese Wirtschaftsgiganten ihren Einfluss zu vergrößern versuchen. Das erfolge vor allem über eine Zusammenarbeit mit der Politik. Bode benutzt den Begriff «industriell-politischer Komplex», der zum Ausdruck bringt, dass zwischen den jeweiligen Vertretern eine klebrige Nähe besteht. Plastisch gemacht wird das unter anderem am Beispiel des VW-Skandals, bei dessen Aufarbeitung die Staatskanzlei ihre Pressemitteilungen und andere Veröffentlichungen regelmäßig mit dem Autokonzern absprach.

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