Ein schönes Wort: Schaufenster. Als Metapher eine ganze Gesellschaft widerzuspiegeln, ist es wohl eine Nummer zu groß, gut. Allein den Begriff „Berlin – Schaufenster einer Nation“ einmal herzunehmen, um sich via Rundgänge durch die Metropole und der Lektüre von Medien der Hauptstadt dieses „Fenster“ anzuschauen, um sich ein Bild zu machen, regt dennoch zum Nachdenken an. Berlin in diesen Wochen und Monaten gesellschaftlich negativ überbordender Energieflüsse anzusehen, hat für den Beobachter viel zum Nachdenken zutage gebracht. Über Berlin, das Land, die Menschen. Von Frank Blenz.
Vielfach ist in dieser Stadt zu sehen, dass einer der gerade angesagten E-Roller wie ein achtlos vergessenes Spielzeug kreuz und quer auf dem Fußweg liegt. Hier ist es ein Gefährt an der Ausfallstraße Richtung Tempelhofer Feld. Hastig kurven Radfahrer schnell an dem Gefährt und ohne das eigene Tempo zu reduzieren an Fußgängern vorbei. Berlin ist schnell, Berlin ist achtlos. An der nahen Ampel hupt ein PKW-Fahrer seinen Vordermann heftig an, obschon der gern abbiegen würde, allein, er kann nicht, ist die Seitenstraße nun verkehrsberuhigt mit grünen Chill-Out-Sitz-Flächen für Anwohner und Touristen versehen und gesperrt. Nebenan warten in all dem Lärm nicht wenige Menschen in einer Reihe geduldig darauf, eine der berühmten Currywürste einer mit grandioser „App“ beworbenen Marke zu ergattern. Dabei halten alle ihren Blick ständig auf ihr Smartphone, die Daumen wischen die Wichtigkeiten auf dem Display hin und her. Sie weilen in einer digitalen Welt.
