Es gibt nie nur eine Ursache. Was wir derzeit erleben, ist nicht nur eine Krise der politischen Exekutive, deren Glaubwürdigkeit tief erschüttert ist; es ist auch die Krise eines Weltbilds, das unseren Kulturkreis schon viel zu lange dominiert hat. Eine ausgeprägte Machbarkeitsideologie, die Idee des Körpers als einer störanfälligen Maschine, vor allem aber auch die Verdrängung des Todes gehören zu dessen hervorstechenden Merkmalen. Der tiefere Grund hierfür ist menschliche Hybris, die sich mit unserer Sterblichkeit nicht abfinden will, die Leugnung der Möglichkeit eines Weiterlebens der Seele. Die Autorin ist Grundrechtsaktivistin, Sterbe- und Geburtsbegleiterin. Ihr sind die Grenzbereiche des Menschlichen vertraut. Auf der jüngsten Großdemonstration in Kassel hielt Friederike Pfeiffer-de Bruin eine bewegende Rede über das Leben und das Sterben. Sie riet ihren Zuhörerinnen und Zuhörern, sich auf die Kraft des Herzens zu besinnen und sich mit der Tatsache ihrer eigenen Sterblichkeit anzufreunden. Dadurch gewinnt jeder Moment eine besondere Kostbarkeit. Das Leben ist viel zu kurz und zu wertvoll, um es sich durch eine künstlich geschürte Todesangst verleiden zu lassen.
