Demut — die „altmodische Tugend“ fehlt gerade in unserer Zeit dringend, denn die Selbstaufbläher und Wahrheitsbesitzer haben Hochkonjunktur. Eine ganze Kultur des Hochmuts ist zur Bedrohung für Umwelt, Frieden und Mitmenschlichkeit geworden. Und das stromlinienförmig optimierte Ego hat sich selbst an die Stelle gesetzt, an der Religionen früher Gott gesehen haben. „Ich“ bin sogar zum alleinigen Schöpfer „meiner“ Realität avanciert. Demut bedeutet dem gegenüber, mit der Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten und des eigenen Einsichtsvermögens in Frieden zu sein und dennoch zu tun, was getan werden kann. Politisch verdächtig im Sinne von Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist Demut übrigens nicht — wenn sie richtig verstanden wird.
