Die dritte Welle ist gebrochen. Nicht nur in Deutschland, auch in Schweden. Der Frühling kommt langsam auch im hohen Norden an und ein saisonaler Effekt wird ja kaum noch bestritten und so gaben die schwedischen Gesundheitsbehörden nun, nach zweimaliger Verschiebung, auch die Lockerungspläne ab Juni bekannt. Zeit für eine ausführliche Bilanz, denn fatale Auswirkungen dieser dritten Welle gibt es in Schweden nicht. Diese hohe Fall-Welle wird weder als Corona-Todeswelle noch in der aktuellen Gesamtsterblichkeit Schwedens abgebildet, was die Untauglichkeit der Inzidenz als alleiniges Maß für Maßnahmen einmal öfter unter Beweis stellt. Und noch viel interessanter: Trotz „Rekordfallzahlen“ und damit Inzidenz sind im Jahr 2021 bisher bevölkerungsbereinigt sechs Prozent weniger Schweden gestorben, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Demgegenüber wurden aber 5621 neue „Corona-Tote“ seit Neujahr gezählt. Von Henning Rosenbusch.
Dabei bleiben die Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland im Umgang mit der Corona-Pandemie bestehen. Nicht nur in Sachen Maßnahmen, denn trotz der erneuten Verabschiedung eines Pandemiegesetzes (es gab ein ähnliches Gesetz für Stockholm während der ersten Welle, das ebenfalls nicht für härtere Maßnahmen genutzt wurde) zu Beginn des Jahres 2021 gibt und gab es (wieder) weder einen Lockdown, noch Maskenpflicht, noch komplette Schulschließungen: „Wir glauben, wir erreichen mit Freiwilligkeit genauso viel, wie andere Länder mit Restriktionen“, wiederholte Staatsepidemiologe Anders Tegnell erst kürzlich wieder sein Mantra seit Beginn der Pandemie. Und die Zahlen, zumindest diejenigen abseits der Inzidenzen und Neuinfektionen, geben ihm immer mehr recht.
