Die Würde des Menschen hängt von der Intensivbettenbelegung ab. Das steht zwar so nicht im Grundgesetz, gilt aber offenbar derzeit als ungeschriebenes Gesetz. Unsere Grundrechte werden eigentlich hauptsächlich eingeschränkt, damit es auf den Stationen nicht zu einem Engpass kommt. Wer die Corona-Maßnahmen der Regierung kritisiert — dieser Eindruck wird öffentlich erweckt — verhöhnt das schwer arbeitende Krankenhauspersonal und sollte einmal einen Tag auf der Intensivstation verbringen, dann würde er sich automatisch zur Meinung von Christian Drosten oder Karl Lauterbach bekehren. Allerdings stellt sich dabei eine Frage: Warum sind die Intensivbetten immer wieder so knapp? Nach 14 Monaten Krise kann man wirklich nicht mehr annehmen, die Verantwortlichen seien davon überrascht worden, dass auf den Stationen Covid-19-Kranke auftauchen könnten. Ganz offensichtlich wurde es also seit gut einem Jahr versäumt, die Krankenhäuser personell und technisch aufzurüsten. Fürchten die Regierenden, dass ihnen ohne fortwährende Bettennot die Argumente ausgehen, um die Wirtschaft und die Freiheiten der Menschen weiter zu strangulieren?

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