Wenn eine Situation mit Freude und Lust verbunden ist, versuchen wir sie so lange wie möglich aufrecht zu erhalten; dominieren dagegen Schmerz und Stress, suchen wir das Weite. Diese Grundregel klingt einleuchtend, entspricht aber nicht unbedingt der Realität der menschlichen Seele. Frauen wie Männer halten oft viel zu lange an Beziehungen fest, die für sie mit dauerhaftem Leid behaftet sind, ja zerstörerisch wirken. Ein Grund hierfür kann die Trauma-Dynamik sein. Wer unter dem Eindruck eines einschneidenden Ereignisses bei einem anderen Menschen scheinbar Hilfe und Halt findet, kann in besonderem Maß von diesem abhängig werden. Selbst Misshandlungen werden dann immer wieder „verziehen“, weil der Grad der Verschmelzung mit dem Partner hoch ist, eine Trennung somit undenkbar scheint. Im Zuge der Coronakrise und des durch sie ausgelösten Schocks bilden sich offenbar derzeit besonders viele ungesunde und destruktive Beziehungen. Entkommen können Betroffene diesen nur, wenn sie es schaffen, ihre Situation glasklar zu erkennen.
