„Wir sind weg, wir sind leise, weil man uns die Zukunft klaut.“ Dieser Satz wäre kein guter Demo-Schlachtruf, er reimt sich nicht mal. Aber er würde die momentane Situation in der Kulturszene weitaus besser treffen als „Wir sind hier, wir sind laut“. Gerade die Personengruppe, die in der Vergangenheit ihre politische Wachsamkeit erfreulicherweise bewiesen hat und die für lautstarke, publikumswirksame Zeitkritik eigentlich zuständig ist, duckt sich in für sie peinlicher Weise seit einem Jahr vor dem Corona-Thema weg. Wohl in der Absicht, wirtschaftlich zu überleben, lassen Künstlerinnen und Künstler zu, dass ihre Glaubwürdigkeit stirbt. Dies wäre ja noch verständlich bei Akteuren, die sich eher dem Liebeslied oder der ästhetischen Innerlichkeit verschrieben haben. Vollends auf die Spitze getrieben wird dieser bedauerliche Trend aber durch den „Protestsongcontest 2021“, organisiert von Radio FM4. Da protestieren die Sängerinnen und Sänger gegen so gut wie alles — nur nicht gegen die Corona-Politik der Regierung.
