Das Virus SARS-CoV-2 trifft ins Mark der modernen Gesellschaft. Mithin prägt es auch den Diskurs, den sie mit sich selbst führt. Seit dem Ende des Mittealters beschäftigen sich die Menschen mit drängenden Fragen — etwa denen nach Leben und Tod, Individualität und Gemeinschaft. Wenn sich nun in einer aufgeheizten Situation eine tiefe Kluft in der Einschätzung und Handhabung der Krise durch die Gesellschaft zeigt, erscheint es ratsam, nicht nur jüngste Daten und Fakten heranzuziehen, sondern ideen- und mentalitätsgeschichtlich tiefer zu graben. Welche Phänomene in 500 Jahren Geschichte der Moderne helfen uns vielleicht, den Ursachen für unser Verhalten auf die Spur zu kommen, das zwischen Überforderung, Machtgier und Panik wechselt? Welchem modernen Menschenbild folgen wir in der Coronakrise? Wie gehen wir mit Endlichkeit um, nachdem die christliche Heilsgeschichte auserzählt ist? Warum lassen sich die vielen von den wenigen beherrschen, wie David Hume in tiefer Fassungslosigkeit notierte? Der Essay geht diesen Fragen nach in der Absicht, Licht ins Dunkel des Coronaszenarios zu bringen.

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