Nach 20 Jahren „War on Terror“ sind die USA aus Afghanistan abgezogen. Die Taliban haben, wie zu erwarten war, die Macht übernommen. Der Krieg „endete“, wie er begann: Mit einem Drohnenschlag, bei dem vermeintlich Terroristen liquidiert wurden, bei dem aber die USA am Ende doch keinen Schimmer hatten, wen sie hier gerade töten. Beim Drohnenangriff am 29. August wurden nicht zwei „hochrangige“ ISIS-Funktionäre getötet, sondern zehn Zivilisten, sieben Kinder darunter. Mit der Verkündung seiner „Über-den-Horizont“-Strategie hat US-Präsident Biden nun klar gemacht, dass das Drohnenmorden auch über den Truppenabzug hinaus in alle Ewigkeit weitergehen wird – Afghanistan: der Krieg, der niemals endet. Von Jakob Reimann.
29. August, Kabul, Afghanistan, 16.50 Uhr Ortszeit. Inmitten der Innenstadt der Viereinhalbmillionen-Metropole feuert die Biden-Regierung mittels Drohne eine Hellfire-Rakete auf ein Wohnviertel nahe des Kabul Airport ab. Ein Sprecher des US Centcom behauptet, „mehrere Selbstmordattentäter“ von ISIS-K – des Afghanistan-Ablegers des sogenannten Islamischen Staats (wobei das K für Khorasan-Provinz steht) – wurden liquidiert. Zwei „hochrangige“ ISIS-Funktionäre seien unter den Getöteten. Der Pentagon-Sprecher behauptet weiter, durch den Drohnenschlag sei „eine unmittelbare Bedrohung des Flughafens durch ISIS-K gestoppt“ worden. Über mehrere Stunden wurde das Fahrzeug mittels Drohne ausgespäht, es ist im Laufe des Tages mehrere Positionen in Kabul angefahren, der Unterschlupf einer ISIS-Zelle darunter, und hat dabei verschiedene Personen ein- und ausgeladen, so die Rekonstruktion des Pentagon. Mehrere Männer wurden dabei beobachtet, wie sie Sprengstoff in den Wagen luden. Als dieser im Hinterhof einer Nachbarschaft parkte, feuerte die Reaper-Drohne ihre tödliche Ladung ab. Unmittelbar nach dem Drohnenschlag habe es „erhebliche und starke Explosionen gegeben, die auf die Zerstörung des Fahrzeugs zurückzuführen sind“ und auf „eine große Menge an explosivem Material im Inneren“ des Wagens hinweisen. Schnell kamen erhebliche Zweifel an der Geschichte auf.
