Die tiefgreifenden Einschränkungen mitsamt der Aussetzung demokratischer Grundrechte zur angeblichen Bekämpfung der Pandemie haben Unmut und Argwohn ausgelöst. Es wird gar befürchtet, dass die Regierungsmaßnahmen darauf abzielen, die Demokratie dauerhaft zu demontieren und die Diktatur einer hauchdünnen Elite zu errichten. Beschleunigter Wandel, digitale Transformation sowie geopolitische Umschichtungen lassen ohnedies die Zukunft als unsicher oder gar bedrohlich erscheinen. Ben Stenz verarbeitet diese neue Realität in seinem Roman „Quarantäne“. Die wirklichkeitsnah gezeichneten Figuren unterschiedlicher Herkunft und Überzeugungen tun sich schwer, mit den einschneidenden Veränderungen zurande zu kommen. Ihre Äußerungen widerspiegeln Misstrauen gegenüber den Spitzen der Politik, die sich für die Anliegen des gemeinen Volks wenig interessieren würden. Außerdem mutmaßen sie, dass die politischen und wirtschaftlichen Eliten gemeinsame Sache machen mit dem Ziel, Demokratie und Grundrechte weiter auszuhöhlen. Nicht zuletzt werde das Coronavirus instrumentalisiert, um den totalitären, vom digital-finanziellen Komplex gemanagten Staat zu begründen. Die Rubikon-Literaturredaktion stellt den Roman mit zwei Ausschnitten vor. Der erste Ausschnitt entspricht dem Beginn des Romans. Als Leserinnen und Leser werden wir in die Welt von K., einem Reisenden, dessen Abkürzung nicht ganz zufällig an einen gewissen K. aus Franz Kafkas „Prozess“ erinnert, eingeführt. Neben K. taucht auch die wortkarge Figur Flo auf, der sich K. im Laufe lockdownbedingter morgendlicher Spaziergänge langsam annähert.

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