Auf der Meinungsseite der gestrigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschien ein Artikel von Konrad Schuller über „Kaczynskis Wurzel“. Darin steht folgender Satz: „Polen könnte wie schon früher in der Geschichte wieder einmal ohne den Schutz verlässlicher Bündnisse zwischen Deutschland und dem expansiven Moskauer Staat dahin taumeln, ein Albtraum.“ – Wo und wann in den letzten Jahrzehnten seit 1990 ist Russland gegenüber seinen Nachbarn expansiv gewesen oder aggressiv, wie es in vielen Medien und von Seiten vieler Politiker oft und penetrant heißt? Die USA haben sich expansiv verhalten und überall Kriege geführt, die NATO wurde bis an die russische Grenze ausgedehnt. Und die NATO war bis vor kurzem sogar in Afghanistan. Aber die Message vom expansiven bzw. aggressiven Russland wird geglaubt, auch weil sie wie im konkreten Beispiel beiläufig und immer wieder penetrant gepflanzt wird. Achten Sie bitte mal drauf. Im Anhang sind ein paar Beispiele zusammengestellt. Albrecht Müller.
Mit der gleichen Methode der beiläufigen und penetranten Erwähnung wird der undemokratische bzw. demokratische Charakter einzelner Länder eingetrichtert und verbreitet: „Machthaber“, „Autokraten“, „Regime“ – diese Attribute werden fast schon automatisch im Zusammenhang mit Russland/Putin, mit Syrien, mit Venezuela und anderen „Feindstaaten“ benutzt. Die Begriffe Demokratie bzw. westliche Demokratie werden benutzt, um beiläufig und damit penetrant einzuhämmern, dass wir im Westen zu den Guten gehören. Diese Kennzeichnung, diese beiläufige und zugleich penetrant wiederholte Kennzeichnung geschieht, ohne die Fakten zu hinterfragen, ohne zum Beispiel zu hinterfragen, ob die Charakterisierung als „demokratisch“ zum Beispiel angesichts der Konzentration der Medien in wenigen Händen und angesichts der Machtballung bei den Reichen unserer westlichen Gesellschaften noch gilt.

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